Im Spätsommer 2003 bin ich mit meiner Tante Inge auf Tour durch Südengland gegangen. Die Fotos dzu finden sich unter Südengland.

 

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
25.08.03 26.08.03 27.08.03 28.08.03 29.08.03 30.08.03 31.08.03
01.09.03 02.09.03 03.09.03 04.09.03      

 

Montag, 25. August 2003

15.15 Uhr, wir sind vor einer knappen dreiviertel Stunde und nach 440 km in Cuxhaven gelandet, haben uns zweimal verfahren und einmal kurz getankt. Jetzt essen und trinken wir etwas. Es sind schon reichlich Autos und Passagiere vor uns da gewesen und inzwischen ist es richtig voll. Vor und hinter uns stehen Dänen, vereinzelt auch ein paar Briten. Wir haben strahlenden Sonnenschein, blauen Himmel und nur am Horizont vereinzelt Wolken. Reisewetter.

Es ist 18.17 Uhr und wir sitzen vor unserem ersten Icebear (Wodka, Blue Curaçao Sirup und Sprite) des Abends. Mal sehen, wie viele noch folgen...

An Deck war es herrlich - herrlich stürmisch. Dabei sieht die Nordsee nur nach Windstärke 3 aus, kaum Schaumkronen. Mal sehen, wie die Nacht wird. Im Moment ist der Seegang deutlich zu spüren. Viel Spaß....

Shopping haben wir auch schon hinter uns, vier Tüten Gammeldags, eine ist schon leer. Der Cuxhavener Lotse hat gerade das Schiff verlassen, wie es scheint. Das haben wir von Hamburg aus nie mitbekommen, da war es ja immer schon 22 Uhr, wenn wir aus der Elbe heraus gekommen sind.

Zum Anfang

Dienstag, 26. August 2003

Nach mehrmaligem Aufwachen mitten in der Nacht haben wir dann doch tatsächlich bis sieben Uhr deutscher Zeit geschlafen. War also nichts mit pünktlichem Frühstück um 7.30 Uhr. Das haben wir erst um 8.30 Uhr geschafft, natürlich mit der Hälfte aller anderen Passagiere. Aber wir mögen es ja voll...

Frühstück war wie immer an Bord eines DFDS-Schiffes hervorragend und mehr als sättigend. Dieser dänische Plunder - Himmel, ist der lecker. Danach ging es noch einmal an Deck. Der Wind hatte eindeutig nachgelassen und es war richtig warm, sogar im Schatten. Wir haben uns dann noch kurz hingesetzt und die herrliche Luft genossen. Allerdings war es schon zehn vor halb zehn, so dass wir besser zurück in unserer Kabine gegangen sind, um den Aufruf "zu den Wagen" nicht zu verpassen. Um fünf nach Halb war Backbord immer noch kein Land zu sehen, was mich zu der Frage veranlasste, welche Uhrzeit Inge mir eigentlich angesagt hatte, deutsche oder englische Zeit. Es war deutscher Zeit, während ich unsere Ankunft bereits nach englischer Zeit im Kopf hatte, so dass wir eine Stunde zu früh auf den Hafen gelauert hatten. Das gab mir aber wenigstens noch die Gelegenheit, mich kurz auszustrecken, so dass mein angeschlagener Rücken etwas Entspannung bekam.

Aber dann war es endlich soweit und wir konnten mit unseren Klamotten zu unserem "Dicken", der brav gewartet hatte - was auch sonst, eingekeilt zwischen drei anderen Autos und der Bordwand? Nach dem üblichen Warten - Anlegen, Luke öffnen, Laderampe herunter fahren - ging es dann endlich auf den heiligen Boden. Noch einmal kurz mit den Ausweisen gewunken, die ersten drei Kreisverkehre umrundet und rauf auf die A120.

Auf der M 25 erwischten uns doch zwei kleinere Staus, aber das hielt sich zum Glück in Grenzen. Der angekündigte Stau auf der M 4 (Junction 5 bis 7, genau dort, wo wir auf diese Autobahn wechseln mussten), blieb uns zum Glück erspart.

Es ging ziemlich flott und ca. 16 Uhr waren wir in Bristol und wechselten auf die M 5, von der eine dreiviertel Stunde später runter auf die A 361. Um zwanzig nach fünf, nach drei vergeblichen Versuchen in privaten B&Bs und einer Niete in einem Pub wurden wir immer weiter geschickt und vor einem Restaurant wartend von einem freundlichen Hundebesitzer aufgegabelt und zu einem sehr netten privaten B&B geschleppt, in dem wir auch geblieben sind. Wie der Ort heißt, wissen wir im Augenblick gar nicht, nur dass wir in Devon irgendwo kurz hinter Barnstaple sind. Jetzt sitzen wir in dem Pub, in dem wir umsonst nach "Accommodation" gefragt hatten, ich vor meinem zweiten Carling und Inge vor Guinness Nr. 2.

Der Ort heißt übrigens Fremington und wir haben ihn nach 508 km Fahrt erreicht.

Zum Anfang Einen Tag zurück

Mittwoch, 27. August 2003

Nach einem umwerfend leckeren Frühstück (Egg, Bacon, Sausages, Grilled Tomato, Mushrooms, Potatoes & Buttered Toast) mit einem ebenso leckeren Tee fuhren wir gegen 10 Uhr gestärkt los.

Eigentlich wollten wir uns schon gegen 13 Uhr ein neues B&B suchen, in dem wir dann die nächsten zwei Nächte verbringen wollen. Es kam das Übliche: die ersten anderthalb Stunden Fahrt war ein B&B am anderen, kaum haben wir begonnen, ernsthaft zu suchen, kam keines mehr.

Nach 35 km kam das schöne Schild "Welcome to Cornwall". Yeah! Nebenbei, die Landschaft in Devon ist auch mit größtenteils abgeernteten Feldern genauso wunderschön wie Somerset. Und hügelig, das arme Auto. Es ist die Fahrt über nur leider ziemlich diesig gewesen, das Wetter ist einfach zu gut. Es ist warm, die Sonne scheint und es ist britisch feucht. Aber auch windig. Im Auto knallt die Sonne jedenfalls gewaltig und es wird richtig heiß beim Fahren. Aber mit offenem Schiebedach und halboffenen Fenstern ist es einigermaßen erträglich.

Auf unserer verzweifelten Suche nach einem B&B fuhren wir auf Englands "Atlantik Highway" immer weiter an der Nordküste Cornwalls entlang und landeten schließlich gegen halb vier in Hayle an der St. Ives Bay.

Das B&B ist preiswert, das Zimmer ist geräumig, allerdings nicht en-Suite und ohne Fernseher. Prima, kann ich wenigstens mal lesen vor dem Einschlafen.

Unsere Gastgeberin war so freundlich, uns eine Karte von Hayle zu borgen, damit wir einen Strand zum Schwimmen finden konnten (der sich östlich von Hayle über drei Kilometer erstrecken soll, oder drei Meilen?).

Umgezogen und mit der Karte bewaffnet fuhren wir los und fanden auch einen Zugang zur Beach. Mit Parkplatz. Kostet auch nur ein Pfund für den ganzen Tag. Der Parkplatz liegt auch dem Stand so nahe, wie es eben geht, d.h., so weit man mit einem PKW fahren kann. Leider ist das ungefähr 30 Höhenmeter über dem Strand und man muß eine nur teilweise feste Düne hinunter rutschen. Das geht ja auch noch verhältnismäßig schnell, aber der Weg wieder rauf! Inge hat sich beim Anblick des doch recht steilen Abstieges kategorisch geweigert, mitzukommen, also bin ich alleine runter. Mir schwante schon Übles bezüglich der Rückkehr, aber ich bin unverdrossen hinunter gestapft und glücklich in den Atlantik gestiefelt.

Kalt. Aber herrlich. Weißer Sandstrand links und rechts und mindestens 50 Meter, die man in den Ozean hinein laufen kann, ohne dass man weiter als bis zum Bauch nass wird. Die Wellen waren auch ganz sanft und ich bin glücklich hin und her getrieben.

Um Inge nicht allzu lange alleine zu lassen habe ich mich wieder an den Strand gewälzt (Rettungsversuche von Greenpeace blieben zum Glück aus), mich umgezogen und dann den Weg hinauf in Angriff genommen. Runter ging es in fünf Minuten, rauf habe ich bestimmt zwanzig gebraucht. Aber es hat sich gelohnt und ich überlege, ob ich morgen Abend wieder schwimmen gehe. Wenn das Wetter mitspielt.

Jetzt sitzen wir im B&B. Inge wartet, dass ich endlich fertig werde mit den Schreiben, wir wollen in einen Pub.

Ach ja, heute waren es 212 km.

Statt dem geplanten Abendessen im Cornish Arms haben wir nur einen Cider getrunken. Bei mir war die nagelneue Jeans Schuld, die mir zwar ein flirtendes "Hello" von zwei Engländern auf der Straße eingebracht hat, die mich aber vollständig von der Nahrungsaufnahme abschnitt. Auch egal, morgen gibt es ja wieder lecker Breakfast...

Zum Anfang Einen Tag zurück

Donnerstag, 28. August 2003

Ich bin mit dem Bett in unserem B&B nicht ganz glücklich und ich bin unzählige Male in der Nacht aufgewacht. Trotzdem sind wir pünktlich um halb neun zum Frühstück erschienen, nachdem ich eine Spinne aus meiner Reisetasche geklaubt hatte. Keine Ahnung, was die da gesucht hat.

Beim Frühstück saß der andere Gast des B&Bs bereits am Tisch als wir kamen. Eine Frau, die sich auch bald erkundigte, woher wir kämen, wie lange wir blieben und so weiter. Die typisch englischen Fragen eben. Es stellte sich heraus, dass sie aus Liverpool kam. Wir fachsimpelten kurz über den Fußball und die Stimmung Anfield Road, sie stimmte mir voll zu, dass man das einfach mal erlebt haben muss.

Ihr Mann, der bei IBM arbeitet, war vor einigen Jahren nach Heidelberg versetzt worden, so dass sie 18 Monate in Deutschland gelebt hatte. Aber ihr deutsch sei...naja, keine Übung eben. Ihre Kinder, die damals in Deutschland zur Schule gegangen sind, konnten bei ihrer Rückkehr nach England fließend deutsch sprechen, hätten aber alles wieder verlernt, da sie es nie anwenden konnten.

Nach dem Frühstück ging es dann weiter westwärts. Land's End stand auf dem Programm. Nach einer herrlichen Autofahrt durch super enge englische Landstraßen - das macht so viel Spaß! - erreichten wir dann gegen 10.30 Uhr den westlichsten Punkt Englands. Leider bei Nieselregen, Pardon, hoher Luftfeuchtigkeit. Trotzdem sind die Klippen und der Atlantik umwerfend und die vielen Gift-Shops einfach tödlich.

Sage und schreib drei Stunden haben wir dort verbracht. Weder Inge noch ich laufen gerne, aber solche Gewohnheiten werden in England ja immer wieder gerne aufgegeben. Mit ca. fünfzig Postkarten, einem halben Dutzend Mugs und diversen anderen Kleinigkeiten taperten wir glücklich zum Auto zurück und fuhren dann südöstlich weiter, zuerst in Richtung Mousehole.

Auch diese Strecke war herrlich zu fahren, besonders die Stellen, an denen eins der sich entgegen kommenden Fahrzeuge rückwärts zurück setzen muss, bis eine Stelle weit genug für zwei Autos ist.

Moushole selbst allerdings ist nicht zu fassen. Abgesehen davon, dass die ganze Stadt von Besuchern zu Fuß wimmelt, sind die Straßen dieses entzückenden Städtchens eigentlich nicht breit genug, um mit einem etwa 1,85 m breiten Fahrzeug an eben diesen Fußgängern vorbei zu fahren. Bürgersteige? Was ist das? Vielleicht hätte sich mein Gefühl der Irrealität (neben dem der Illegalität) in Grenzen gehalten, wenn die Straße sich nicht alle zehn Meter um Häuserecken geschlungen hätten und etwas weniger steil gewesen wären. Ich kam mir vor wie auf einem orientalischen Basar, auf dem nur rohe Eier und Glaswaren verkauft werden und durch dessen enge Gassen ich mit einem Panzer hindurch fahren sollte, ohne etwas kaputt zu machen. Der Ort ist wunderschön, ganz bestimmt, aber ich wollte nur noch eines: raus hier! Auf diese Weise landeten wir unerwartet in Penzance.

Nach einem Stau in der Stadt entschlossen wir uns spontan zu einer kleinen Tour. Wir parkten am Bahnhof und streuselten durch die Shopping-Meile allerdings diesmal ohne größere Ausgaben. Als uns um 15.45 Uhr endgültig die Füße weh taten, entschlossen wir uns zur Rückkehr nach Hayle. Wir wollten heute früher in den Pub und noch etwas essen.

Von Penzance nach Hayle ging es dann ziemlich schnell. Hier haben wir dann erst mal den Postkarten die entsprechenden Empfänger-Adressen und Briefmarken verpasst und sind dann nach ca. einstündiger Arbeit in das Cornish Arms gestiefelt.

Mit einem Pint Cider für jeden machten wir uns dann daran, die Postkarten auch zu schreiben (der Mann am Postschalter in Penzance staunte nicht einmal, als ich vierzig Briefmarken für Europa verlangte).

Unsere Essensbestellung hatte ich bei einer Tresenschwalbe abgegeben, der mir gestern schon die Schuhe ausgezogen hatte. Irischer Abstammung, darauf wette ich. Zu lecker, das Kerlchen.

Lecker waren auch unser Beef Curry mit Reis und die Beef & Onion Pie mit Mash, sehr lecker sogar. Nach dem Essen haben wir nur noch ausgetrunken und sind zurück zu unserem B&B.

Gefahren sind wir heute 77 km.

Zum Anfang Einen Tag zurück

Freitag, 29. August 2003

Nach einer wesentlich erholsameren Nacht für mich und einem wieder leckeren Frühstück hörte der Regen auf.

Die ersten Taschen haben wir bei strömendem Regen ins Auto gebracht, aber dann hörte es auf. Unsere Gastgeberin versicherte uns, dass der Wetterbericht von aufklarendem Wetter von Nord nach Süd gesprochen hat. Wir waren also guter Hoffnung, als wir uns von ihr verabschiedeten. Sie fragte uns, ob wir schon in Schottland gewesen sind, daher käme sie nämlich. Ich sagte nein, aber schon einmal in Wales. Da kommt ihr Mann her. Und um das Potpourri zu komplettieren: ihre Mutter ist aus Irland.

Vorher hatte sie uns noch St. Michael's Mount und Lizard Point ans Herz gelegt. Ersteres, weil es ein "beautiful spot" ist, letzteres, weil es der südlichste Punkt Englands ist.

St. Michael's Mount, eine Burg auf einer kleinen Insel in einer Bucht, haben wir uns nur von weitem angesehen, und sind dann weiter nach Lizard Point. Hier sind wir zum Aussichtspunkt gewandert. Es ist bei weitem nicht so ausgebaut und aufgebauscht wie Land's End und es ist nicht der Atlantik, sondern "nur" der Englische Kanal, aber es ist auch so beeindruckend. Man steht hoch über dem Meer, die Klippen fallen steil ab und man hört die Brandung, während Möwen direkt vor einem her fliegen. Das war uns natürlich Postkarten und Andenkentassen wert. Bei dem Lighthouse sind wir noch einmal kurz über den Parkplatz gefahren und dann zurück nach Lizard.

Auf der Suche nach einer Toilette haben wir hier auch halt gemacht, 50 Pence fürs Parken gespendet und durch alle verfügbaren Giftshops gestolpert. Sehr erfolgreich, nebenbei. Wir haben auch endlich eine cornische Fahne.

Was Lizard natürlich nicht hatte, war eine Toilette, so dass wir diesbezüglich unverrichteter Dinge abziehen mussten. Aber innerhalb kürzester Zeit kam ein Tesco. Rettung für unsere vollen Blasen und für unsere abnehmenden Vorräte.

Danach konnten wir die wichtigste Aufgabe des heutigen Tages in Angriff nehmen: ein B&B für die nächsten zwei Nächte zu finden.

Murphy sollte ein weiteres zu seinen Gesetzen hinzufügen. Die Anzahl der verfügbaren B&Bs an der gewählten Strecke nimmt proportional mit der Dringlichkeit ab, mit der man eines sucht. Es ist jedes Mal das gleiche. Wenn man kein B&B braucht und sucht fährt man alle drei Minuten an einem vorbei, aber wehe, man beginnt ernsthaft zu suchen...

Tja, irgendwann waren wir wieder raus aus Cornwall, fuhren einige mehr als eigenartige Strecken einschließlich solcher, die uns über Straßen führten, die exakt so breit wie unser Wagen waren. Adventure pure, yeah!

Gelandet sind wir schließlich in einem Hotel in Devon, praktisch neben dem Dartmoor National Park. Das Dolphin Hotel in Bovey Tracey. Mit £ 49,50 für das Zimmer deutlich teurer als die bisherigen, dafür aber auch doppelt so groß mit TV, Fön, Hosenbügler und riesigem Bad. Natürlich ist ein Restaurant/Pub angeschlossen und wir haben sehr gut gegessen. Nach der gestrigen Erfahrung, als ich Inges Reste essen "musste", habe ich heute nur eine Vorspeise für mich (Garlic Mushrooms) und ein Essen für uns beide bestellt (Chicken Breast). Dazu zwei Cider bzw. zwei Guinness und ich platze fast.

Ich musste einfach noch ein paar Schritte gehen und nachdem wir gestern alle Karten geschrieben und diese heute mit uns herum geschleppt haben, bin ich los, einen Briefkasten suchen.

Zu meiner großen Freude ist direkt neben dem Pub ein Briefkasten. Leider war die letzte Leerung heute um 17 Uhr. Die letzte Leerung für diese Woche! Aber es stand dran, dass der Briefkasten beim Post Office in der Fore Street morgen um neun Uhr noch mal geleert wird. Aha. Und wo, bitte schön, ist die Fore Street? Durch Zufall bin ich nach zwanzig Metern auf die Tourist Information gestoßen. Da hing natürlich der Plan von Bovey Tracey und ich habe auch tatsächlich nach ein paar Minuten (der Ort ist nicht sooo groß) das Post Office gefunden. Hier stand als letzte Leerung samstags zwar 12.15 Uhr statt 9 Uhr, aber so können wir sicher sein, dass unsere Karten morgen bearbeitet werden. Wir sind aber wahrscheinlich trotzdem vor ihnen in Berlin, oder wohin auch immer sie gehen sollen (Nachträgliche Anmerkung: Das war ein Irrtum, die Samstag eingesteckten Karten waren Montag in Berlin!) Jedenfalls ist der Auftrag ausgeführt.

Jetzt noch Zähne putzen und dann ab ins Bett. Morgen steht der Dartmoor National Park auf dem Programm.

Heute sind wir 320 km gefahren.

Zum Anfang Einen Tag zurück

Samstag, 30. August 2003

Gut, eine Badewanne ohne Duschvorhang ist gewöhnungsbedürftig, unangenehmer war jedoch das Mischen des richtig temperierten Wassers mit getrennten Hähnen. Wie verwöhnt man doch von Einhand-Mischbatterien ist...

Das Frühstück war gut und umfangreich wie immer, wir sind bereit, die Showcaves in Torquay zu besichtigen. Der Himmel ist strahlend blau, die Sonne scheint... Höhlenwetter, eindeutig.

Der Weg nach Torquay ist leicht zu finden, schwieriger wird es in Torquay, Kents Cavern zu finden. Der Ort ist, nebenbei, sehr hübsch an einem sonnigen Samstag aber sehr überlaufen. Aber ich kann die Briten verstehen, mich zieht es bei diesem Wetter auch ans Meer (bzw. an einen der Berliner Seen, um bei der Wahrheit zu bleiben).

Zu meiner eigenen Überraschung habe ich mich von der Beschilderung nicht verunsichern lassen und im ersten Anlauf die Höhlen gefunden. Der Parkplatz war auch vielversprechend leer und wir kauften unsere Tickets für die 11-Uhr-Tour, zusammen mit dem obligatorischen Guide Book (dem ich später entnommen habe, das Agatha Christie in Torquay geboren wurde).

Das interessante an den Höhlen sind nicht die Tropfsteine, sondern die Unmengen an Knochen und anderen Resten, die sich im Laufe der Ur- und Frühgeschichte in ihnen angesammelt haben. Aus diesem Grund sind auch so gut wie keine Tropfsteine mehr vorhanden, da die Archäologen der viktorianischen Zeit viel mehr an den Tier- und Menschenknochen interessiert waren und die Tropfsteine z.T. weg gesprengt haben. Dafür hat ein Forscher im 19 Jh. zusammen mit sechs anderen in 15 Jahren etwa 80.000 Exponate ausgegraben. Die Höhlen wurden sowohl von Tieren als auch von Menschen als Unterschlupf genutzt.

Die Führung ist, wie eigentlich meistens, sehr nett gemacht. An einer Stelle werden Knochennachbildungen herumgereicht, Schädel von Homo Erectus und vom Neandertaler sowie Kieferknochen und Geweihfragmente. Sehr ungewöhnlich war, nach meiner Erfahrung, dass unser Höhlenführer die Beleuchtung manuell an- und hinter uns wieder ausgeschaltet hat. Aber es handelt sich auch um einen Familienbetrieb, vielleicht fehlen die Mittel für automatische Anlagen.

Die Vorgehensweise gibt dem Mann aber die Möglichkeit, an einer Stelle eine Schellmuschel-Schale, gefüllt mit irgendeinem brennbaren Material., anzuzünden und dann das Licht aus zu schalten, damit der Besucher einen Eindruck davon bekommt, bei welcher Beleuchtung unsere ferneren Vorfahren durch die Höhle geklettert sind. Dann entzündete er eine Kerze, blies die Flamme in der Muschel aus und erklärte uns, damit hätten die Forscher im 19. Jh. gearbeitet. Freundlicherweise fragte er, ob jemand Angst in der Dunkelheit hätte, bevor er auch die Kerze ausblies und wir in völliger Finsternis standen. Leider wurden wir abrupt unterbrochen, denn eines der vier bis sechs anwesenden Kinder unter fünf Jahren fing fürchterlich an zu weinen. Er zündete die Kerze also wieder an und die Führung endete (wieder bei normaler Beleuchtung) nach einer guten halben Stunde. Noch zwei Postkarten gekauft, eine Tasse (muss sein...) und dann ging es zurück nach Bovey Tracey, von wo aus wir in den Dartmoor National Park fahren wollten.

Hier haben wir auch noch schnell getankt, Einkaufen war nicht mehr nötig, wir hatten ja schon ein Sainsbury's in Torquay gefunden. Heute Abend soll es mal kein warmes Essen sein, sondern Cheese, Chicken und Corned Beef mit frischem Brot. Leider sind wir wieder in der Dessert-Abteilung hängen geblieben...pfeif. Auf jeden Fall ist und bleibt Sainsbury's mein Lieblingsstore und ich freue mich schon auf den Einkauf in Sussex, wenn ich so richtig zuschlagen kann. Als wir bei Sainsbury's raus kamen, goss es in Strömen. Die dunklen Wolken, die plötzlich über uns gehangen hatten, öffneten ihre Schleusen und wir mussten die Tüten unsortiert in den Kofferraum werfen.

Aber, typisch für das englische Wetter, schon vor Newton Abbott schien wieder die Sonne. Es stimmt wirklich: wenn dir in England das Wetter nicht gefällt, warte einfach fünf Minutenů

Wieder in Bovey Tracey haben wir, nach einem kleinen, ungewollten Umweg, die B3387 nach Widecomb in the Moor eingeschlagen. Und nach Cornwall hielt auch Devon mit Dartmoor eine Überraschung parat. Nix is mit flachem Moor, eine Hügellandschaft von nicht unerheblicher Höhe lag vor uns und wollte von meinem armen alten Auto erklommen werden.

Gleich beim ersten Foto-Stop standen zwei Ponies auf der Straße, eine Stute mit ihrem Fohlen. In einer an dieser Stelle zu einem Hotel abgehenden Straße entbrannte zwischen irgendwelchen Leuten aus irgendwelchen Gründen ein lautstarker und vehementer Streit, von dem ich nur eine wiederholtes "Calm down" von einer Frau verstanden habe, so dass wir uns doch wieder ins Auto begaben und weiter fuhren.

Zum Glück war die Bar auch wieder geschlossen und die Stute, die eben noch mitten auf der Straße ihr Fohlen gesäugt hatte, war im Farn am Straßenrand verschwunden.

Die Ponys warn auf der ganzen Strecke verteilt, neben unzähligen Schafen und Rindern. Aus diesem Grund ist im gesamten National Park die Geschwindigkeit auf 40 mph begrenzt. Nicht, dass ich bergauf 40 Meilen erreicht hätte. Ich war dankbar über 40 Stundenkilometer.

Als wir uns auf einen dieser Hügel hinauf quälten, vor uns fuhr ein Brite mit tatsächlich noch größeren Problemen, hielt der plötzlich an der Seite an. Erst dachte ich, er wollte mich vorbei lassen. Dann sah ich die Hügelkuppe vor uns in dichtem Nebel. Jedenfalls hielt ich es für Nebel, bis ich hinein fuhr. Plötzlich befanden wir uns in einem der heftigsten Platzregen, die ich jemals erlebt habe und keiner fuhr in diesem Moment weiter.

Aber es hörte auch sehr schnell wieder auf und wir fuhren in aller Ruhe zurück zum Hotel. Hier gab es, nach Begutachtung unserer reichhaltigen Einkäufe, lecker Abendbrot in Form von frischem Weißbrot mit Butter und Corned Beef und diversen Leckerlies. Jetzt ist es kurz nach sieben, irgendwann sollten wir noch mal auf einen Cider nach unten gehen. Übrigens scheint jetzt wieder die Sonne...

Heute waren es 116 km.

Zum Anfang Einen Tag zurück

Sonntag, 31. August 2003

Blauer Himmel und wunderbare Sicht begrüßten uns heute Morgen. "Leider" hieß es straight towards Sussex statt durch Dartmoor. Heute hätten wir einen hervorragenden Ausblick gehabt. Stattdessen sind wir nach dem Frühstück und dem Bezahlen unserer Rechnung um 10 Uhr ostwärts gestartet und haben nach 71 km Devon Verlassen. Welcome to Dorset. Durch diese Grafschaft sind wir allerdings nur durchgeflogen, genauso wie durch Hampshire, das wir nach 168 (ab Bovey Tracey) erreicht hatten. Ohne Halt ging es weiter, schließlich wollte ich ein Zimmer im Arun Sands in Littlehampton erwischen. Nach 241 km (wieder ab Bovey Tracey) kam das von mir heiß ersehnte Schild "Welcome to West-Sussex".

Heimat - frohlock...nur die Abfahrt nach Salisbury hätte mich beinahe von meinem Ziel für diesen Tag abgebracht. Aber ich blieb hart zu mir selbst und um ca. 14 Uhr standen wir vor dem B&B. An der Tür hing ein Schild. Sorry, no vacancies tonight. Was ich befürchtet hatte. Frustriert ging es wieder ins Auto und weiter. Allerdings nur anderthalb Straßenzüge, denn im Colbern Hotel waren noch Zimmer frei. Der gleiche Blick, die gleiche Straße. Und ein Parkplatz, fast direkt davor (und das beim Strand). Ich bin hinein gestürmt und sie hatten ein Zimmer. Twin Room, en-Suite, TV, Erdgeschoß(!) und Blick zum Kanal. Und groß. Der Preis? Dafür akzeptabel.

Wir haben im Voraus bezahlt und das Zimmer mit zwei Taschen in Besitz genommen. Dann stellte sich uns die Frage, wohin um halb drei? Nach einem Blick auf die Karte entschied ich mich für eine kurze Exkursion in die Antike und wir fuhren nach Bignor, um die Mosaike der römischen Villa zu besichtigen. Ich war dort bereits vor zwei Jahren, aber ich wollte gerne noch einmal hin, da es mir gut gefallen hatte und ich unbedingt die Gladiatoren fotografieren wollte (die weder auf den Postkarten noch in dem Guide Book vom letzten Mal vollständig abgebildet waren). Außerdem war das Wetter dieses Mal viel besser. Auch Inge fand die Mosaike und Exponate interessant. "Leider" brachten wir so nur eine Stunde "rum" und auch die Pause im Auto war nur kurz. Wohin in West-Sussex um halb vier? Wir entschlossen uns, zum Shopping nach Brighton zu fahren.

Auf dem Shoreham-Flugplatz fand eine Flugshow statt und wir hatten etwas Mühe, über die verstopfte A 27 nach Brighton zu kommen. Um viertel nach fünf an der Stadtgrenze überlegte ich laut, ob das Einkaufszentrum länger als bis 18 Uhr geöffnet hätte, als Inge bemerkte, daß Sonntag ist. Danke für den Hinweis, das hatte ich völlig verdrängt. Ich war in meinen Überlegungen von Montag ausgegangen. Also fuhren wir nur kurz am Pavillon vorbei und die A 259 an der Küste zurück nach Littlehampton.

Nach einer Tasse Tee und kaltem Abendbrot machen wir uns jetzt um kurz nach acht Pub-fein.

Heute 384,5 km gefahren (und in Littlehampton verlaufen)

Zum Anfang Einen Tag zurück

Montag, 01. September 2003

Hervorragend geschlafen. Der Himmel ist bedeckt. Erst beim Frühstück offenbart sich, dass unser Hotel doch ein paar mehr Zimmer hat und dass es voll ist. Die Größe verhindert allerdings auch die netten Gespräche, die sich sonst so entwickeln und unsere Gastgeber waren eifrig mit Kochen und Servieren beschäftigt.

Um viertel vor zehn sind wir losgeschossen in Richtung Hastings, das wir sage und schreibe erst zehn vor halb eins erreichten. Allerdings haben wir unterwegs auch getankt.

In Hastings selbst sind wir nur an den alten Fischer-Hütten und kurz durch die Old Town geschlendert, zurück am Strand entlang. Für die Tour haben wir 50 Minuten gebraucht. Einschließlich einem kurzen Aufenthalt auf dem "Loo of the year", ausgezeichnet in den Jahren 2001, 2002 und 2003. Mit Radio im Hintergrund und warmen Wasser zum Hände waschen, was Inge faszinierte. Nach diesem doch aufregenden Erlebnis ging es dann fast direkt zum Shopping, da unser geplanter Kurzstop in Alfriston vom Wetter verhindert wurde. Allerdings diesmal nicht wie gewohnt vom Regen, sondern von dem perfekten Wetter: alle Parkplätze waren vollständig besetzt. Schade, ich wäre gerne in den Puppenstubenladen gegangen.

Auf dem Weg weiter (in Richtung Seaford) habe ich endlich das weiße Pferd gesehen, an dessen Existenz ich bisher stark gezweifelt hatte.

In Brighton haben wir noch freie Parkplätze in immerhin einem Parkhaus gefunden und schließlich auch den Eingang zum Churchill Square, dem Einkaufszentrum. Hier sind wir allerdings nur einem Geschäft für Wohnaccessoires fündig geworden. Borders hatte nichts für mich (Beckhams Buch erscheint erst später) und auch bei Virgin war nichts Kaufbares dabei.

Fast unverrichteter Dinge sind wir also wieder nach Littlehampton zurück, wir haben noch ein paar Staus mitgenommen und sind um halb sechs wieder bei unserem Hotel gelandet. Hier hieß es nur noch Auto abstellen, noch mal kurz wohin und dann zum George Inn zum Essen. Bei Tageslicht lüftete sich auch ein wenig das Geheimnis unserer Odyssee vom Vortag und wir fanden den Weg zum Pub diesmal etwas einfacher.

Mein BBQ Chicken Melt bestand aus einem doppelten Hähnchenbrustfilet mit Cheddar, einer Scheibe Bacon und süßer BBQ-Sauce, dazu Erbsen, eine Backkartoffel, Champignons und eine halbe Grilltomate. Inge hatte einen einfachen Burger mit Bacon und Cheddar, dazu Chips. Rechtschaffen satt sitzen wir jetzt vor unserem 2. Pint Lager und bringen schon die Hälfte unserer Erlebnisse durcheinander (was bestimmt am Bier liegt).

Jetzt sollten wir dem Kanal noch einen Abschiedsbesuch abstatten und dann ins Bett fallen. Oder Fernsehen. Oder noch ein drittes Bier trinken. Immer diese schweren Entscheidungen...

Wir sind heute 213 km gefahren (Drei Bier sind eines zu viel, bittere Erfahrung des nächsten Tages...)

Zum Anfang Einen Tag zurück

Dienstag, 02. September 2003

Nach Frühstück und Schlüsselrückgabe sind wir ein letztes Mal zum Strand (schnief) und dann nach Newhaven zu Sainsbury's. Die haben gerade die Handwerker da und das Angebot ist deshalb etwas eingeschränkt. Ich habe kein Shortbread bekommen, ich muss also noch nach einem weiteren Sainsbury's suchen.

Unsere Versuche, den Dicken aufzufüllen, sind fehlgeschlagen. Entweder waren alle Zapfsäulen, an denen ich es probierte, leergetankt, oder ich habe mich zu blöd angestellt, jedenfalls bin ich nach zwei Versuchen unverrichteter Dinge wieder abgezogen und wir haben kurz hinter der M 25 getankt.

Inge hat sich gefreut, dass wir unter der Themse lang gefahren sind (der Tunnel von Dartford Crossing), und wir sind ohne Staus nach 272 km um 16 Uhr beim Dingle Dolphin in Clacton eingetroffen.

Nach der Erstbesteigung unseres Zimmers unterm Dach sind wir gleich zur Seafront. Die B&B-Besitzerin hatte mich mit einem freundlichen "Oh, the german girl" begrüßt und uns "the family-room" verpaßt. Dieses Zimmer kannte ich noch gar nicht.

Auf dem Weg zum Strand sind wir noch einmal Geld losgeworden, ich habe einen englischen Bettbezug abgestaubt. Die Verkäuferin im Laden schmunzelte über Inges Probleme mit dem englischen Kleingeld und wir kamen ins Gespräch über die Euroumstellung und die daraus resultierenden Verteuerungen.

Am Strand habe ich wenigstens meine Füße in die Nordsee gehalten, bei strahlenden Sonnenschein, wie immer in Clacton, dann sind wir frohgemut ins Moon & Starfish zum Essen (Der Pub gehört, wie das George Inn in Littlehampton, zu der Wetherspoon-Kette und man kann sich auf die Qualität des Essens verlassen).

Inge hatte BBQ-Rippchen und ich habe das Chicken Tikka Massala probiert. Es war super lecker und ich konnte mich kaum von dem gemütlichen Platz losreißen. Nach dem dritten Pint siegte die Vernunft und wir sind zurück zum B&B.

Zum Anfang Einen Tag zurück

Mittwoch, 03. September 2003

Anja ist in Clacton und prompt sind 23° C und Sonnenschein.

Nach dem Frühstück haben wir unsere restlichen Sachen runter gebracht und sind an der Küchentür klopfen gegangen. Unsere Gastgeberin verabschiedete uns "bis zum nächsten Jahr" und kramte ihre kompletten Deutschkenntnisse für uns hervor: "Auf Wiedersehen".

Dann gab es noch ein "God bless you" und ein "have a save journey" zusammen mit einem Küsschen links und rechts auf die Wange und ich fühlte mich langsam wirklich wie ein Familienmitglied.

Auf zum Superstore, die letzen Punkte auf den Einkaufslisten abhaken. Dort stellte sich heraus, dass meine seit Jahre gehüteten glatten zehn Pfund Noten ungültig sind und ich sie in einer Bank umtauschen müsste. Also zurück nach Clacton.

Mit dem "neuen" Geld ging es dann zurück nach Colchester und von dort aus runter zur Insel Mersey, auf der Inge vor vierzig Jahren ihren Urlaub verbracht hat. Wo genau konnten wir nicht mehr feststellen. Da wir nach Mersey noch zweieinhalb Stunden Zeit totschlagen mussten, sind wir noch ein wenig herum gefahren und in Harwich ein letztes Mal in einen Safeway gegangen. Nachdem auch diese Einkäufe im Kofferraum verstaut waren, ging es auf die Fähre.

Wir haben nach dem Ablegen fast zwei Stunden an Deck gesessen und den Sonnenschein genossen, dann sind wir in die Kabine.

An unserem letzten Tag in England sind wir noch 136 km gefahren.

ZumAnfang Einen Tag zurück

Donnerstag, 04. September 2003

Dieses Frühstück an Bord bringt mich um! Noch 75 Minuten bis Cuxhaven.

Der Weg Cuxhaven - Berlin war 398 km lang und hat uns fünfeinhalb Stunden gekosten.

ZumAnfang Einen Tag zurück
© 2011 Anja Braatz